Hitzewelle 2026 als Weckruf, warum jede Kommune einen Hitzeaktionsplan braucht

29. Juni 2026

Was die historische Junihitze für Kommunen und Kreise in Nordrhein-Westfalen und bundesweit bedeutet


Ein Hitzeaktionsplan ist für Kommunen kein Zukunftsthema mehr, sondern dringende Gegenwart. Ende Juni 2026 hat Deutschland eine Hitzewelle erlebt, die der Deutsche Wetterdienst in seiner vorläufigen Bilanz als historisch einordnet. In der Spitze meldete der DWD am 27. Juni 41,5 Grad in Möckern-Drewitz in Sachsen-Anhalt, an insgesamt 46 Stationen in elf Bundesländern wurde die 40-Grad-Marke erreicht oder überschritten. An 252 Wetterstationen fiel ein neuer Allzeithöchstwert seit Beginn der Aufzeichnungen, an der Sternwarte Jena reicht die Messreihe bis 1824 zurück. Auch die Nächte brachten kaum Entlastung. In Kubschütz in Sachsen sank die Temperatur in der Nacht zum 28. Juni nicht unter 29,4 Grad. Eine derart lange und intensive Hitzewelle so früh im Sommer hatte es seit Beginn der Wetteraufzeichnungen noch nie gegeben. Quellen zu diesen Werten sind die vorläufige Bilanz des DWD sowie die Pressemitteilung des DWD zur frühen und langanhaltenden Hitze.

Für die kommunale Gefahrenabwehr war die Phase rund um den 22. bis 28. Juni 2026, mit der die rund elftägige Hitzewelle ihren Höhepunkt erreichte, ein Belastungstest. Genau hier setzt dieser Beitrag an. Er ordnet die Ereignisse ein, fasst die wichtigsten Planungsgrundlagen mit den passenden Quellen zusammen und zeigt, wie ein kommunaler Hitzeaktionsplan aufgebaut wird und wie antwortING Kommunen und Kreise dabei unterstützt.

Die Hitzewelle Ende Juni 2026 und ihre Auswirkungen

Die gesundheitlichen Folgen waren in vielen Regionen unmittelbar spürbar. Nach Berichten aus der Hitzewelle gerieten Rettungsdienste und Notaufnahmen in nordrhein-westfälischen Städten wie Köln, Essen und Dortmund zunehmend an ihre Belastungsgrenze. Im Rhein-Sieg-Kreis erhielten Krankenhäuser Unterstützung aus dem Katastrophenschutz, in Stuttgart und Karlsruhe wurde die Außergewöhnliche Einsatzlage ausgerufen. Eine Übersicht der Ereignisse in Deutschland und Europa bietet der Artikel Hitzewelle in Europa im Juni 2026.

Wie angespannt die Lage örtlich wurde, zeigt das Beispiel Köln. Am Klinikstandort Merheim kam es zeitweise zu einem Overcrowding der Zentralen Notaufnahme, weil zahlreiche Menschen mit Hitzeerschöpfung und Hitzschlag Hilfe suchten. Eine Messehalle wurde kurzfristig zu einem Notfallversorgungszentrum, Patientinnen und Patienten wurden noch auf dem Klinikgelände gekühlt, bevor sie in die Notaufnahme kamen. Innerhalb von 24 Stunden wurden mehrere Menschen bewusstlos in ihren Wohnungen aufgefunden. Über die Lage in Köln berichtete unter anderem webnachrichten.de.

Diese Bilder sind kein Ausnahmefall, sondern ein Vorgeschmack. Warum Hitze zu einer zentralen Aufgabe des Bevölkerungsschutzes wird, welche gesundheitlichen Risiken und welche Größenordnungen damit verbunden sind, haben wir bereits im Beitrag Hitzewellen und Bevölkerungsschutz ausführlich dargestellt. Dort finden sich auch die Zahlen zur hitzebedingten Sterblichkeit und zur Mehrbelastung von Einsatzkräften. Dieser Beitrag konzentriert sich auf die Konsequenz daraus, nämlich die vorausschauende Planung.

Warum Hitzeschutz eine kommunale Pflichtaufgabe wird

Hitze trifft nicht alle gleich. Besonders gefährdet sind ältere und pflegebedürftige Menschen, chronisch Kranke, Säuglinge und Kleinkinder, Menschen mit Behinderungen, wohnungslose Personen sowie Beschäftigte mit hoher Hitzeexposition. Hinzu kommen räumliche Schwerpunkte, etwa stark verdichtete und versiegelte Innenstadtquartiere, die sich besonders aufheizen.

Wirksamer Hitzeschutz gelingt nur, wenn viele Stellen zusammenwirken, von der kommunalen Verwaltung über Gesundheitsamt, Rettungsdienst und Krankenhäuser bis zu Pflegeeinrichtungen, Kindertagesstätten, Schulen und Wohlfahrtsverbänden. Ohne klare Zuständigkeiten, abgestimmte Abläufe und eine geregelte Kommunikation bleibt jede gut gemeinte Einzelmaßnahme Stückwerk. Genau diese Struktur schafft ein Hitzeaktionsplan.

Die Aufgabe reiht sich in die bekannten Themen der kommunalen Gefahrenabwehr ein. Der Bevölkerungsschutz steht ohnehin unter Druck, wie das im Beitrag zum DFV-Positionspapier zur Zukunft des Bevölkerungsschutzes beschriebene Handlungsbedürfnis zeigt. Parallel verändert die Notfallreform die Strukturen von Rettungsdienst und Notfallversorgung. Hitzeaktionsplanung ist deshalb kein isoliertes Sonderthema, sondern ein Baustein einer resilienten Kommune.

Die Planungsgrundlagen im Überblick

Niemand muss bei null beginnen. Für die Hitzeaktionsplanung gibt es belastbare fachliche Grundlagen auf Bundes- und Landesebene.

Die fachliche Basis bilden die Handlungsempfehlungen für die Erstellung von Hitzeaktionsplänen zum Schutz der menschlichen Gesundheit, erarbeitet von der Bund/Länder Ad-hoc Arbeitsgruppe Gesundheitliche Anpassung an die Folgen des Klimawandels und 2017 im Bundesgesundheitsblatt veröffentlicht (eine fachliche Fassung findet sich auch bei Springer). Die Empfehlungen beschreiben acht Kernelemente, darunter eine zentrale Koordinierung, die Nutzung des Hitzewarnsystems, die Information der Bevölkerung, die besondere Ansprache vulnerabler Gruppen, die Anpassung von Gebäuden und die langfristige Stadtplanung.

Operativer Auslöser für das Handeln ist das Hitzewarnsystem des Deutschen Wetterdienstes. Der DWD unterscheidet zwei Stufen, die Warnung vor starker Wärmebelastung ab einer gefühlten Temperatur von etwa 32 Grad und die Warnung vor extremer Wärmebelastung ab etwa 38 Grad. Kommunen und Einrichtungen können die Hitzewarnungen kostenlos als Newsletter abonnieren.

Auf Bundesebene bündelt das Bundesgesundheitsministerium die Aktivitäten im Hitzeschutzplan für Gesundheit. Dazu gehören Musterhitzeschutzpläne, etwa für Krankenhäuser, sowie die vom Bund geförderte Praxisplattform hitzeservice.de der LMU München, die kommunalen Entscheidungstragenden konkrete Werkzeuge an die Hand gibt.

Für Nordrhein-Westfalen ist die Landeskoordinierungsstelle für gesundheitsbezogenen Hitzeschutz beim Landeszentrum Gesundheit NRW (LZG.NRW) die zentrale Anlaufstelle. Sie berät und begleitet die Kommunen mit Arbeitshilfen, Praxisbeispielen und rechtlichen Grundlagen. Das Land hat die Erstellung kommunaler Hitzeaktionspläne in der Vergangenheit zudem finanziell gefördert, etwa über das Programm Klimawandelvorsorge des LANUV, dessen Antragsfristen jedoch ausgelaufen sind. Da sich Förderangebote regelmäßig ändern, sollten Kommunen aktuelle Möglichkeiten direkt beim LZG.NRW sowie beim zuständigen Ministerium erfragen.

Die Bausteine eines kommunalen Hitzeaktionsplans

Ein praxisgerechter Hitzeaktionsplan setzt sich aus mehreren aufeinander aufbauenden Bausteinen zusammen.

Bestands- und Vulnerabilitätsanalyse. Auf Grundlage verfügbarer Klimadaten und bestehender Planungen wird die hitzebezogene Belastungssituation im Gebiet ausgewertet. So lassen sich Hitze-Hotspots und besonders betroffene Quartiere identifizieren. Parallel werden die vulnerablen Bevölkerungsgruppen und die betroffenen Einrichtungen erfasst.

Akteurs- und Organisationsstruktur. Die relevanten Stellen werden analysiert, Verantwortlichkeiten geklärt und in einer zentralen Koordinierungsstruktur mit eindeutigen Zuständigkeiten und Kommunikationswegen zusammengeführt. Ziel ist ein belastbares Organisationskonzept, das die Handlungsfähigkeit auch im akuten Hitzeereignis sichert.

Maßnahmenkonzept entlang der Warnstufen. Den Kern bildet ein Maßnahmenkatalog, der präventive Maßnahmen vor der Hitzesaison, operative Maßnahmen während eines Ereignisses und langfristige Strukturmaßnahmen umfasst. Die Maßnahmen werden an das Stufenmodell des DWD gekoppelt und nach Zielgruppen und Einrichtungstypen aufbereitet.

Warn- und Kommunikationsstruktur. Ein Kommunikationskonzept regelt die Informationswege zur Bevölkerung und zu den Einrichtungen und empfiehlt geeignete Kanäle und Formate, von Merkblättern und Plakaten über digitale Medien bis zur lokalen Presse.

Verknüpfung mit bestehenden Konzepten. Der Hitzeaktionsplan wird mit dem Bevölkerungsschutz- und dem Klimaanpassungskonzept verzahnt. Grundlagen zu Entsiegelung, Begrünung, Trinkbrunnen und beschatteten Aufenthaltsräumen fließen als langfristige Empfehlungen ein. So entsteht ein konsistentes Gesamtkonzept ohne Doppelstrukturen.

Monitoring und Fortschreibung. Ein Konzept zur Erfolgskontrolle und zur regelmäßigen Fortschreibung sorgt dafür, dass der Plan wirksam und aktuell bleibt.

Rückenwind für NRW-Kommunen: Beratung und Arbeitshilfen des Landes nutzen

Für Kommunen und Kreise in NRW ist der Zeitpunkt günstig, denn mit der Landeskoordinierungsstelle beim LZG.NRW steht eine kompetente Anlaufstelle bereit, die mit Beratung, erprobten Arbeitshilfen und Praxisbeispielen bei der Konzeption und Umsetzung einer Hitzeaktionsplanung unterstützt. Wer jetzt beginnt, kann auf diese Angebote zurückgreifen, mögliche neue Förderaufrufe im Blick behalten und ist zur nächsten Hitzesaison deutlich besser aufgestellt. Die Ereignisse Ende Juni 2026 haben gezeigt, dass die Frage nicht ist, ob die nächste Hitzewelle kommt, sondern wie gut die Kommune darauf vorbereitet ist.

Wie antwortING unterstützt

antwortING erstellt Hitzeaktionspläne als anwendungsorientierte Planungsinstrumente für Verwaltung, Einrichtungen und beteiligte Akteure. Wir verstehen den Hitzeaktionsplan nicht als isolierte Fachplanung, sondern als integrierten Baustein einer modernen und resilienten Kommunalentwicklung mit direkter Schnittstelle zum Bevölkerungsschutz und zur Klimaanpassung.

Unsere Leistungen umfassen die systematische Bestands- und Vulnerabilitätsanalyse, die Entwicklung einer klaren Koordinierungs- und Organisationsstruktur, einen nach Warnstufen und Zielgruppen differenzierten Maßnahmenkatalog sowie die Verknüpfung mit bestehenden Konzepten. Relevante Akteure binden wir über moderierte Workshops aktiv ein, um lokales Praxiswissen zu nutzen und die spätere Umsetzung abzusichern. Alle Ergebnisse führen wir in einem druckfähigen Abschlussbericht zusammen, der als offizieller Hitzeaktionsplan der Kommune dient und fortgeschrieben werden kann.

Diese Arbeitsweise entspricht unserem Verständnis von Gefahrenabwehrplanung, das wir auch in der Katastrophenschutzbedarfsplanung verfolgen. Wir erarbeiten belastbare, auf Daten und Fakten basierende Entscheidungsgrundlagen mit klaren Handlungsoptionen, die verwaltungsintern handhabbar und politisch anschlussfähig sind.

Sie möchten Ihre Kommune oder Ihren Kreis auf künftige Hitzeereignisse vorbereiten oder die Möglichkeiten der Landesförderung in NRW prüfen? Sprechen Sie uns an. Gemeinsam entwickeln wir einen Hitzeaktionsplan, der zu Ihren örtlichen Verhältnissen passt.

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